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Von Äpfeln und Birnen

[11.02.2016]

Die Bemühungen, die Osteopathie ganz oder mindestens in Teilen in die Physiotherapie bzw. Manuelle Therapie einzugliedern, halten – trotz eindeutiger Rechtslage und unmissverständlichen Urteilen – an. Das jüngste Beispiel liefert der Rechtsanwalt des Verbandes Physikalische Therapie, VPT, Benjamin Alt.
 
Auf seiner Website behauptet er, das Landratsamt Amberg-Sulzbach habe in einer Stellungnahme „eindeutig erläutert, dass die parietale Osteopathie von Physiotherapeuten abgegeben werden darf.“
 
Tatsächlich heißt es aber in dem Schreiben des Landratsamtes vom 12.11.2015:
„Die Erlaubnis nach §1 Abs. 1 Nr. 2 MPHG berechtigt (Physiotherapeuten) nur dazu, aufgrund ärztlicher Verordnung physiotherapeutische Leistungen zu erbringen. Die therapeutische Behandlung durch einen Physiotherapeuten setzt also eine ärztliche Verordnung voraus. Dies hat zur Folge, dass ein Physiotherapeut Techniken der Osteopathie, die mit Techniken der Physiotherapie identisch sind, auf ärztliche Verordnung durchführen darf.“
 
Nun ist das Durchführen von osteopathischer Techniken, die mit physiotherapeutischen Techniken identisch sind, fachlich und rechtlich etwas anderes, als die Abgabe der parietalen Osteopathie. Denn aus fachlicher Sicht zählt die parietale Osteopathie zur Heilkunde und ist kein Heilmittel wie die Physiotherapie. Zudem beinhaltet sie u.a. auch die Manipulation von Gelenken und der Wirbelsäule, was Physiotherapeuten rechtlich verwehrt ist.
 
Insofern sollten Physiotherapeuten nicht den Gedankenspielen von Rechtsanwalt Alt folgen, wenn dieser schreibt:
„Spannend wäre es nun, wenn Physiotherapeuten mit der Abgabe der parietalen Osteopathie werben würden. Es wäre dann die Frage, wie Gerichte zu der Sache stehen. Die Zukunft wird zeigen, ob sich Therapeuten trauen in der Art zu werben und ob es Abmahnvereine gibt, welche in der Folge dagegen versuchen vorzugehen.“
 
Die Gerichte können eigentlich gar nicht anders urteilen, als es das Oberlandesgericht Düsseldorf im September letztes Jahres getan hat.
 
Im Übrigen, nicht Physiotherapeuten sollten sich trauen, sondern osteopathische Verbände:
Sie sollten nicht weiter versuchen, einen Teilbereich der Osteopathie für Physiotherapeuten zu retten, sondern die Osteopathie als Ganzes erhalten, inklusive ihrer manipulativen Techniken und sich hierzu auch bekennen.

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Berufsvereinigung für heilkundlich praktizierte Osteopathie, hpO.