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Rückblick und Ausblick 2017

[02.01.2017]

Seit unserer Gründung im September 2014 fordern wir einen Umdenkprozess in der nichtärztlichen Osteopathie. Weg vom eigenständigen Beruf außerhalb des Heilpraktikergesetzes, hin zu einer fundierter und umfassender Weiterbildung in Osteopathie inklusive Heilpraktikererlaubnis.
 
Der Prozess nimmt immer mehr an Fahrt auf. Interessanterweise bieten inzwischen fast alle Schulen, in denen Osteopathie zu erlernen ist, eine Vorbereitung zur Heilpraktikerprüfung an. Einige Schulen integrieren bereits diese Vorbereitung in ihre Weiterbildung, der erste Schritt zum Erhalt der Osteopathie als Heilkunde.
 
Seit geraumer Zeit warnen wir auch vor der Physiotherapeutisierung der Osteopathie. So beispielsweise in unserem Rückblick und Ausblick von letztem Jahr:
Von verschiedenen Seiten wird weiterhin der eigenständige Osteopath als dritter Heilberuf gefordert, ohne zu erläutern, wie dieser Beruf in unser Gesundheitssystem integriert werden kann. Wie zielführend ist es, Forderungen an die Politik zu stellen, ohne auch Vorschläge auszuarbeiten, wie diese in die Praxis umgesetzt werden sollen? Da wundert es nicht, wenn Physiotherapieverbände diese Lücke nutzen, um bessere Manualtherapeuten aus der Osteopathie zu schaffen. Alles, was in die Heilkunde fällt, wird einfach entfernt und fertig ist der künftige weisungsgebundene Osteopath.“
 
Was folgte, war der von der Koalition vorgetragene Änderungsantrag 33 im dritten Pflegestärkungsgesetz. Es war der erste größere Versuch, die Osteopathie im Heil- und Hilfsmittel-Sektor zu integrieren.
Konnten wir das Anfang 2016 vorhersehen? Konkret nicht, aber die Entwicklung hin zum später wieder zurückgezogenen Änderungsantrag 33, der für viele überraschend kam, ist logische Folge einer Jahrzehnte lang verfehlten Berufspolitik der nichtärztlichen Osteopathieverbände. Fordern ohne Vorschlag, fordern ohne Konzept, fordern ohne zu definieren, was gefordert wird, so etwas kann nur nach hinten losgehen; das hat uns Änderungsantrag 33 im abgelaufenen Jahr deutlich aufgezeigt.
 
Wie ist 2016 für die hpO gelaufen?
Wir sind erfreulicherweise viel schneller gewachsen als geplant und konnten so unser Jahresziel bereits im August erreichen. Wir haben weitere Kooperationen geschlossen und gelten mittlerweile in der Heilpraktiker-Landschaft als Ansprechpartner Nummer 1 in Fragen rund um die Osteopathie. Wir bieten inzwischen mehr Betreuung und Serviceleistungen für unsere Mitglieder, als andere Verbände und bauen diese kontinuierlich aus. Mit unseren berufspolitischen Aktivitäten haben wir uns in kürzester Zeit als einziger bundesweit aktiver Vertreter einer heilkundlich praktizierten Osteopathie positioniert und hierbei viele Befürworter in der Politik, unter naturheilkundlichen Verbänden und den Krankenkassen gewonnen.
 
Wie wird es 2017 weitergehen?
Die Physiotherapieverbände werden im Schulterschluss mit der Bundesärztekammer weiterhin versuchen, die Osteopathie in die Ausbildung der Physiotherapie zu integrieren. Und weil die nichtärztlichen Osteopathieverbände weiterhin eine gesetzlichen Regelung der Osteopathie außerhalb des Heilpraktikergesetzes fordern, wird der Prozess der Physiotherapeutisierung der Osteopathie voranschreiten.
 
Aber noch haben wir es selbst in der Hand. So könnten etwa die Schulen ein entscheidendes Zeichen setzen: Weiterbildungsabschluss nur mit bestandener Heilpraktikerprüfung. Damit wäre die Lücke zur rechtssicheren Ausübung geschlossen. Die Zahl der nichtheilkundlichen Therapeuten würde schnell gen Null gehen und eine gemeinsame Ausgangslage wäre geschaffen.
 
Auch jeder Einzelne kann seinen Teil zur Sicherung einer heilkundlich praktizierten Osteopathie beitragen: Denn viele Therapeuten sind aufgrund ihrer parallel laufenden Physiotherapiepraxis immer noch Mitglied in einem Physiotherapieverband. Ein Zustand, der aus osteopathischer Sicht nicht länger tragbar ist. Mit seiner Mitgliedschaft einen Berufsverband zu unterstützen, der die Osteopathie zum Heilmittel machen will, bedeutet letztlich, dies auch selbst zu fordern. 
 
Der Jahreswechsel dient gern den guten Vorsätzen: Zu überlegen, was man selbst tun kann, damit Osteopathie Heilkunde bleibt, könnte ein solcher guter Vorsatz sein. 
 
In 2017 wird unserer Meinung nach bereits der deutlich größere Teil der Osteopathen die Zeichen der Zeit erkennen und sich klar zur Ausübung der Osteopathie als Heilkunde bekennen. Alle anderen Optionen bedeutet eine Einschränkung in der Tätigkeit. Können Osteopathen damit leben? Wir sagen ganz klar, NEIN!
 
Der nichtärztliche Osteopath der Zukunft wird Heilpraktiker sein und sich mit seiner qualitativen Weiterbildung in Osteopathie vom Markt abheben.
Das war und ist weiterhin das Credo der hpO, seit 2016 aktueller denn je.
 
Jürgen Gröbmüller
1. Vorsitzender hpO

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Berufsvereinigung für heilkundlich praktizierte Osteopathie, hpO.