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Wie Gesundheit entsteht - Salutogenese (OSTEOPATHIE 3-2019)



Stichworte:Salutogenese, Gesundheit, Antonovsky, Gesundheitsentstehung, Pathogenese, Krankheit, Bewältigungsmöglichkeiten, Ressourcen, Kohärenzgefühl, Gesundheits-Krankheits-Kontinuum, Verstehbarkeit, Handhabbarkeit, Sinnhaftigkeit, Genesungsprozess, Symptome, Beschwerden, Rückenschmerzen, Spritze, Patientenvideo, Beruf, Heilpraktikergesetz, Weiterbildungsumfang, Entscheidungskriterien

Haben sie sich bei einem Besuch bei Ihrem osteopathischen Behandler auch schon einmal gewundert, dass alle möglichen Fragen gestellt wurden, die scheinbar nichts mit ihren Beschwerden zu tun hatten? Dass Körperregionen untersucht und behandelt wurden, die nicht schmerzten? Der Grund ist ganz einfach: In der Osteopathie stehen Sie als ganzer Mensch und Ihre Gesundheit im Vordergrund und nicht einzelne Körperteile oder Ihre Beschwerden. Das Prinzip, das dahinter steckt, nennt sich Salutogenese und soll in dieser Ausgabe des Newsletters vorgestellt werden.

Der Begriff Salutogenese wurde durch Aaron Antonovsky (1923-1994), einen israelisch-amerikanischen Soziologen, geprägt. Salus ist lateinisch und bedeutet “Gesundheit”. Genese kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet “Entstehung”. Salutogenese heißt also wörtlich übersetzt Gesundheitsentstehung. Der Begriff war in den 1970er Jahren ganz neu. Bisher hatte man sich vor allem für die Pathogenese interessiert. Die Pathogenese beschreibt, wie Krankheiten und Leiden entstehen. Zur Entstehung und Entwicklung von Krankheiten wussten und wissen wir sehr viel in der Medizin. Wie kommt es aber, dass wir uns gesund, wohl und munter fühlen? Welche Faktoren tragen dazu bei, dass wir gesund werden? Das sind Fragen, die Antonovsky interessierten.

Deutlich wird, dass sich durch diese neue Sichtweise zwei entgegengesetzte Pole ergeben: “gesund” auf der einen Seite und “krank” auf der anderen. Zwischen den Extremen absolut gesund und absolut krank gibt es jede Menge Zustände, wie wir sie alle aus unserem Leben kennen. Das Leben ist komplex und so können positive und belastende Aspekte sich durchaus überlagern. Man kann zum Beispiel Knieschmerzen haben und gleichzeitig glücklich verliebt sein. Oder wir sind erkältet, können aber dennoch zur Arbeit gehen. Wir befinden uns also ständig zwischen den Polen gesund und krank, mitten im Fluss des Lebens. Und der Fluss des Lebens kann mal von turbulenten Stromschnellen geprägt sein, sich ein anderes Mal aber als sanfte Strömung zeigen. Mal sind wir gute Schwimmer und mal geht uns die Puste aus. Krankheit und Gesundheit gehören beide auf natürliche Art zu jedem Leben. So lange wir leben, verfügen wir immer über gesunde und kranke Anteile.

Das salutogenetische Konzept stellt unsere Bewältigungsmöglichkeiten und unsere Ressourcen in den Mittelpunkt, nicht eine Erkrankung. Egal, wie nah wir uns am kranken Pol des Kontinuums befinden, so lange wir leben, haben wir die Möglichkeit, uns dem gesunden Pol wieder anzunähern. So denken wir auch in der Osteopathie und versuchen, diese Gesundheit zu finden und durch unsere Behandlung zu fördern.

Koherenzgefühl

Ein zentrales Konzept in der Salutogenese ist das Kohärenzgefühl. Fühlen wir ein hohes Maß an Kohärenz, nähern wir uns eher dem gesunden Pol des Gesundheits-Krankheits-Kontinuums. Wir empfinden ein umfassendes und dauerhaftes Gefühl von Vertrauen ins Leben. Das Kohärenzgefühl kommt zustande, wenn folgende drei Unterpunkte unser Leben prägen:

Verstehbarkeit: Wenn wir etwas verstehen und begreifen, können wir meistens besser damit umgehen und fühlen uns gesünder und dem Schmerz oder den Beschwerden weniger ausgeliefert.

Handhabbarkeit: Gerade in fordernden Zeiten zeigen sich unsere Ressourcen, mit denen wir den Herausforderungen begegnen können. Dazu tragen ein gutes soziales Umfeld und persönliche Ressourcen bei. Auch ein gutes medizinisches Netzwerk kann als Ressource gesehen werden.
 
Sinnhaftigkeit: Auch bei größeren Herausforderungen sind wir davon überzeugt, dass sich die Anstrengungen und Mühen der Bewältigung lohnen. Wir sehen einen Sinn darin, uns anzustrengen und wollen uns dem gesunden Pol annähern. Ganz unterschiedliche Motivationen können hierbei von Belang sein. Überlegen Sie einmal für sich: Was motiviert Sie, sich für Ihre Gesundheit anzustrengen?

Was hat das alles mit Osteopathie zu tun?

Zum Einen, möchten wir Sie in diesem Newsletter ermutigen, an die Gesundheit im Allgemeinen und Ihre eigenen gesunden Anteile im Besonderen zu glauben, so wie es die salutogenetische Sichtweise und die Osteopathie tun.

Für einen osteopathisch arbeitenden Heilpraktiker oder Arzt stehen Sie als Person im Vordergrund, nicht Ihre Erkrankung. Beschwerden werden in der Osteopathie als ein natürlicher Ausdruck des Organismus gesehen. Dabei lassen sich immer auch gesunde Anteile finden, die durch eine osteopathische Behandlung unterstützt werden können, um so den Genesungsprozess zu fördern.
 
Der zweite Grund ist, damit Sie im Sinne der bereits genannten Verstehbarkeit mit Ihrem osteopathischen Behandler besser "zusammenarbeiten" können. Denn für Ihre Gesundung ist es wichtig, Beschwerden oder Erkrankungen einordnen zu können und ein Erklärungsmodell für sie zu finden. Die Osteopathie bietet in Kombination mit der Schulmedizin gut verstehbare Erklärungsmodelle für die unterschiedlichesten Symptome und Beschwerden.

Osteopathisch arbeitende Therapeuten wollen verstehen, was genau hinter Ihren Beschwerden steckt und Erklärungen dafür finden. Zögern Sie also nicht, Ihren Behandler nach einer genauen Erklärung für Ihre Beschwerden und dem weiteren Vorgehen zu fragen. Besprechen sie alles in Ruhe mit ihm oder ihr, bis Sie zufrieden sind und sich ein logisches Bild für Sie ergibt. Das kann natürlich, je nach Beschwerdebild, schon mal einige Sitzungen dauern. Nutzen Sie dennoch die Möglichkeit, sich so Ihrer Gesundheit und Ihrem Wohlbefinden noch weiter zu nähern.

Gut qualifizierte Osteopathiepraxen finden sie bei der hpO: www.hpo-osteopathie.de/therapeutenliste

Fragen & Antworten zur Osteopathie


Frage: Andi P. aus Kassel fragt: „Meine Freundin meint, ich solle mit meinen ständigen Rückenschmerzen endlich mal zum Osteopathen. Ich habe aber keine Zeit, mich eine Stunde auf eine Liege zu legen und komme mit Schmerzmitteln auch gut zu recht. Sonst hole ich mir eine Spritze beim Orthopäden. Das dauert fünf Minuten und ich bin schmerzfrei. Warum soll ich also beim Osteopathen Zeit verschwenden?“

Antwort: „Lieber Andi, das ist eine berechtigte Frage.
Grundsätzlich kann bei Behandlungen zwischen zwei verschiedenen Herangehensweisen unterschieden werden.

Die von Ihnen genannten Schmerzmittel oder die Spritzen sind symptomatische Behandlungen. Diese wirken natürlich schnell, doch häufig tauchen die Beschwerden nach einiger Zeit wieder auf, da sie die Ursache meist nicht beheben.

Die Behandlung durch einen osteopathisch tätigen Heilpraktiker oder Arzt dauert aus folgendem Grund etwas länger: Im ausführlichen Gespräch, sowie durch eine fundierte körperliche Untersuchung wird gezielt nach den verursachenden Faktoren gesucht. Die anschließende Behandlung umfasst alle Strukturen, welche an der sogenannten Ursache-Folgekette beteiligt sind. Das nimmt einige Zeit in Anspruch, ist jedoch nachhaltig und letztendlich finden die meisten Patienten eine solche Behandlung total angenehm.“

Haben auch Sie Fragen zur Osteopathie? Dann schreiben Sie uns an: newsletter@hpo-osteopathie.de

Tipps & Infos
Unser Patientenvideo "Osteopathie als Beruf"

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum auf Praxisschildern von Osteopathen nie Osteopath, sondern immer nur Praxis für Osteopathie steht?

Und wissen Sie, auf was Sie achten sollten, wenn Sie einen Osteopathen suchen?

In unserem animierten Patientenvideo erläutern wir Ihnen in nur vier Minuten:
  • Vor- und Nachteile des Heilpraktikergesetzes,
  • den notwendigen Weiterbildungsumfang für osteopathische Ärzte und nichtärztliche Osteopathen
  • und listen die wesentliche Entscheidungskriterien für die Wahl eines Osteopathen auf.
Leicht verständlich und unterhaltsam auf den Punkt gebracht!

Hier geht es zu unserem YouTube-Video "Osteopathie als Beruf".

App des Monats:
Ecosia Browser

Ja, soetwas gibt es wirklich: Eine Suchmaschine mit dem man Bäume pflanzen kann!

Das Prinzip dahinter ist einfach:
Mit den Gewinnen aus den Suchanfragen werden Aufforstungsprojekte in aller Welt finanziert. Aktuell wurden so schon über 51 Mio. Bäume gepflanzt.

Suchanfragen werden nicht gespeichert, Werbung über Ad-Blocker ausgeblendet, die Server zu 100 % aus erneuerbaren Energien betrieben und monatlich veröffentlichte Finanzberichte zeigen, für welche Umweltprojekte die Gewinne aus den Suchanfragen verwendet werden.

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