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Chronische Erkrankungen in der osteopathischen Praxis (OSTEOPATHIE 5-2020)



Stichworte:Infektionskrankheit, Andrew Taylor Still, Meningitis, Impfungen, Antibiotika, epidemiologische Transition, chronische Erkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen, Krebs, Diabetes mellitus, psychische Krankheiten, Beschwerden im muskuloskelettalen System, Psyche, Identität, Krisen, Lebensqualität, osteopathische Sichtweise, Zeit, Interaktion, Mensch, Gesundheit, Bewegungsfreiheit, Atemwegserkrankungen, Brustkorb, Lunge, Atmung, Operationen, Narbengewebe, Verklebungen, Bewegungseinschränkungen, Chronische Schmerzen, Mobilisieren, Harmonisieren, Nervensystem, Flexibiliät, Widerstandskraft, osteopathischen Sitzung, Körper, einfühlen, zuhören, erklären, entspannen, vertrauen

“Pandemie” – ein Wort, das uns nun schon seit einigen Wochen begleitet. Eine Infektionskrankheit verbreitet sich schnell und weltweit. Unser Leben hat sich seit März stark geändert. Wir halten voneinander Abstand, waschen uns öfter die Hände, singen dabei Happy Birthday, tragen Mund-Nasen-Schutz und sind verunsichert. Die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus sind zwar mittlerweile gelockert. Dennoch bestimmt Corona weiterhin unser Leben.

Auch für Andrew Taylor Still (1828 - 1917), den Begründer der Osteopathie, wurde eine Infektionskrankheit zu einem einschneidenden Erlebnis. Denn er verlor zwei Kinder an Meningitis (Hirnhautentzündung). Zu seinen Lebzeiten war man zumeist machtlos gegen Infektionskrankheiten. Es gab keine Antibiotika, keine Impfungen und nur unzureichende Kenntnisse über Bakterien und Viren. Deshalb wollte Still die damalige Medizin voranbringen, eine Alternative zu bestehenden Methoden schaffen und entwickelte so über viele Jahre die Osteopathie.

Heute können wir uns das Leben von damals nur schwer vorstellen. Hygiene, medizinische Innovationen, Impfungen und Antibiotika sorgen dafür, dass Infektionskrankheiten hierzulande weitgehend beherrschbar sind.


Krankheitsgeschehen früher und heute

Das Krankheitsgeschehen ist heute ein anderes als vor gut 100 Jahren. Fachleute sprechen von einer epidemiologischen Transition, der Verschiebung von Krankheitsgeschehen in einer Bevölkerung. Schwerwiegende Infektionskrankheiten sind in Deutschland seltener, chronische Erkrankungen, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen, Krebs, Diabetes mellitus, psychische Krankheiten und Beschwerden im muskuloskelettalen System sind dagegen häufiger geworden.

Chronische Erkrankungen stellen besondere Herausforderungen an Patienten und Therapeuten. Sie betreffen vielleicht zunächst „nur” den Körper, beeinflussen aber über kurz oder lang auch die Psyche, Identität, Biografie und unser Umfeld. Sie zu managen, ist für Betroffene anspruchsvoll. Ständig gibt der Körper Signale, dass etwas nicht stimmt. Dies muss bewältigt werden. Der Körper funktioniert nicht mehr einfach so, ohne jegliches Zutun. Er muss besonders beobachtet, behandelt und gepflegt werden.


Die meisten Betroffenen haben im Verlauf ihrer chronischen Erkrankung Krisen, die bewältigt werden müssen, damit wieder stabile Phasen mit mehr Lebensqualität folgen können.

Auch in osteopathischen Praxen finden täglich viele Patienten mit chronischen Erkrankungen Hilfe. Mit der osteopathischen Sichtweise, der Zeit, die sich Therapeuten für die Behandlung nehmen und der besonderen Möglichkeit, in Interaktion mit dem Menschen und seinem Körper zu treten, leisten osteopathische Behandler täglich einen großen Beitrag bei der Bewältigung von chronischen Krankheiten.
Lassen sie uns die osteopathische Herangehensweise im Folgenden genauer betrachten.


Osteopathische Sichtweise und Behandlungsmöglichkeiten

In der Osteopathie steht nicht die einzelne Erkrankung und deren Bekämpfung im Mittelpunkt. Vielmehr ist es der gesamte Mensch mit seiner Geschichte und seiner Gesundheit. Von der Gesundheit lassen wir uns leiten, um wieder mehr Bewegungsfreiheit herzustellen, unseren Patienten einen größeren Handlungsspielraum in ihrem Alltag zu ermöglichen und gemeinsam gesunde Ziele verfolgen zu können.

Durch die osteopathische Behandlung lässt sich zum Beispiel bei chronischen Atemwegserkrankungen die Beweglichkeit von Brustkorb und Lunge fördern. Die Atmung wird so erleichtert und Patienten berichten von mehr “Puste” im Alltag. So ermöglichen wir Ihnen vielleicht wieder an einem Familienausflug teilzunehmen, Treppen im Haus leichter zu steigen, mit den Enkelkindern zu spielen.

Nach (Tumor-)Operationen ist häufig das Narbengewebe ein Problem. Narben können zu Verklebungen im Gewebe und Bewegungseinschränkungen führen und damit letztendlich Schmerzen verursachen. Wird das Narbengewebe gelöst, kann der Körper wieder leichter bewegt werden. Das schafft Lebensqualität und eine viel größere Selbstverständlichkeit bei Bewegungen im Alltag.

Chronische Schmerzen, beispielsweise im Bewegungsapparat, lassen sich durch das Mobilisieren und Harmonisieren aller Anteile des Nervensystems verbessern. Patienten berichten, dass sie in den Tagen nach der osteopathischen Behandlung wieder ganz „der oder die Alte” sind. Während ständige Schmerzen zermürben und aufs Gemüt schlagen, bewirkt die Behandlung des Nervensystems das Gegenteil: Sie gleicht Körper und Geist aus und fördert Flexibiliät und eine gesunde Widerstandskraft.


Die Behandlung chronisch erkrankter Menschen braucht Zeit

Anders als bei akuten Geschehen, finden sich chronisch kranke Patienten meist regelmäßig in der osteopathischen Praxis ein. Behandler und Patient können sich so gut kennenlernen und eine positive, stabile Beziehung zueinander aufbauen.
Auch während jeder einzelnen osteopathischen Sitzung ist Zeit ein entscheidender Faktor. Behandlungen dauern meist 45 Minuten und länger. So können Behandler und Patient immer wieder gemeinsam sehen, welche Probleme und Ziele gerade im Vordergrund stehen und die Therapie entsprechend darauf ausrichten.

Auskunft erteilt dabei vor allem der Körper. Er darf den Weg weisen, sich ausdrücken und entfalten. Mit seinen geschulten Händen kann ein osteopathischer Therapeut direkt in Interaktion mit dem Körper treten, sich in den Körper „einfühlen”, dem Gewebe „zuhören” und den Bedürfnissen des Gewebes folgen.

Während der Therapie wird Ihnen Ihr osteopathischer Behandler natürlich erklären, was er tut und auch Ihnen zuhören. Sie dürfen sich als Patient aber auch völlig entspannen, Ihrem Körper vertrauen und ihn für sich sprechen lassen. Gerade bei chronischen Erkrankungen, die das Vertrauen in den eigenen Körper mindern, ist diese Erfahrung oft sehr wohltuend. Eine osteopathische Praxis, die sie bei der Bewältigung einer chronischen Krankheit unterstützen kann, finden sie hier: www.hpo-osteopathie.de/therapeutenliste


Fragen & Antworten zur Osteopathie

Frage: Magda aus Freiburg fragt: "Eine Freundin war letztens bei einer CranioSacralen Therapie. Meine Osteopathin arbeitet auch craniosakral. Wo ist da der Unterschied?“

Antwort: "Liebe Magda, klären wir zuerst den Begriff:
Craniosakral setzt sich zusammen aus den Worten Cranium (Schädel) und Sakrum (Kreuzbein) und gibt somit den Hinweis auf die Bereiche der Untersuchung und Behandlung: Vom Kopf mit seinen Schädel- und Gesichtsknochen, über das Gehirn und Rückenmark bis hin zur Fläche zwischen den Beckenknochen, dem Kreuzbein. Der craniosakrale Bereich umfasst somit das zentrale Nervensystem inklusive der genannten Knochen, die Membrane des Gehirns und des Rückenmarks sowie deren Flüssigkeiten.

Der craniosakrale Bereich kann als eine der drei Säulen der Osteopathie bezeichnet werden, neben dem parietalen Bereich, also dem muskuloskelettalen System, und dem viszeralen Bereich, also den inneren Organen in Brustkorb, Bauchraum und Becken.
 
In der Osteopathie wird immer der gesamte Körper in die Diagnose und Behandlung einbezogen und abhängig von der Beschwerde dann mehr parietal, viszeral oder eben craniosakral gearbeitet. Je nach Indikation, Patient und Therapieverlauf wird flexibel zwischen diesen drei Bereichen gewechselt, damit die osteopathische Behandlung erfolgreich sein kann. 
 
In den 1970er Jahren hat ein osteopathisch arbeitender Arzt in den USA, John Upledger (1932-2012), aus dem craniosakralen Bereich der Osteopathie eine eigene Therapieform entwickelt: die CranioSacrale Therapie (CST). Sie wird beschrieben als „eine manuelle Methode zur Evaluierung und Behandlung des CranioSacralen Systems“, um „die natürlichen Heilungsmechanismen des Körpers (zu) stimulieren“.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen der Osteopathie und der CranioSacralen Therapie besteht also darin, dass die CranioSacrale Therapie ausschließlich mit dem oben beschriebenen craniosakralen Bereich arbeitet."

Haben auch Sie Fragen zur Osteopathie? Dann schreiben Sie uns an: newsletter@hpo-osteopathie.de


Tipps & Infos
Neues Patientenvideo "Wie wird man Osteopath?"

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie Ihr Osteopath zum Osteopathen geworden ist?

Wo hat er Osteopathie gelernt, wie lang hat das gedauert, was beinhaltet eine solche Ausildung und worauf sollte ich als Patient dabei achten?

Diese und weitere wichtige Fragen rund um das Thema „Wie wird man Osteopath?“ beantworten wir in unserem neuesten, gleichnamigen Patienten-Video!

In nur knapp vier Minuten erläutern wir darin unter anderem den Unterschied zwischen Aus- und Weiterbildung, erklären, welche Weiterbildungsstandards sich in Deutschland etabliert haben, welche Inhalte gelehrt werden und was nicht zu einer osteopathischen Weiterbildung zählt.

„Wie wird man Osteopath?“ ist unser drittes Whiteboard-Video. Mit ihnen bringen wir Wissenswertes rund um die Osteopathie leicht verständlich und durch animierte Effekte augenzwinkernd und unterhaltsam auf den Punkt!

Hier geht es direkt zu unserem YouTube-Video "Wie wird man Osteopath?"


App des Monats:
ANTON

Schrittweise sollen die Schulen wieder öffnen. Bis es aber bundesweit für alle Schüler soweit ist, heißt es, im Homeschooling weiterzumachen. Gut, dass es da eine Lernapp für die Klassen 1 bis 10 gibt, mit der das Lernen richtig Spaß macht!

Denn mit ANTON kann man für bestandene Lernübungen Spielmünzen sammeln und damit spannende Spiele spielen!

ANTON ist natürlich nicht eigens für Homeschooling entwickelt worden, sondern ganz allgemein für das Üben diverser Schulfächer daheim. Dazu bietet die Lernapp 100.000 Aufgaben, 200 interaktive Übungstypen und Erklärungen in Deutsch, Mathe, Sachkunde, Deutsch als Zweitsprache, Biologie und Musik an - egal, ob an Volksschule, Primarschule, Förderschule, Grundschule, Hauptschule, Realschule, Gemeinschaftsschule oder Gymnasium!

Auch für die Nachhilfe bei Schülern mit Dyskalkulie, Legasthenie sowie Lese- und Rechtschreib-Schwäche eignet sich die Lernapp.




Berufsvereinigung für heilkundlich praktizierte Osteopathie, hpO.