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Osteopathie nach der Geburt (OSTEOPATHIE 6-2018)



Stichworte: Geburt, Stillen, Saugen, Schwangerschaft, Bauchlage, Geburtskanal, Kompression, Schädelknochen, Suturen, Fontanelle, Schultergürtel, asymmetrisch, Kopfhaltung, Entwicklungsschritte, Schlafen, Schlafphasen, E-Nummern Finder

Das laute Gequengel aus dem Kinderwagen auf dem Hof deutet auf die Ankunft des nächsten Patienten. Ein recht junger, drei Monate. Sicher beschützt, ist er unterwegs zu seiner ersten osteopathischen Sitzung - begleitet von seiner Mutter und Großmutter. Bei Ankunft ist die Familie noch etwas aufgeregt, schließlich erwarten sie viele neue Eindrücke. Was genau passiert in einer ersten osteopathischen Sitzung mit dem Säugling?

Für die Behandlung ist es wichtig, dass eine gewisse Ruhe eintritt. Mutter und Großmutter dürfen sich so setzen, dass sie die Behandlung gut beobachten können. Dann beginnt die Befundaufnahme.

Eigentlich war es die Oma, der zunächst aufgefallen war, dass der Kleine sich vor allem beim Tragen kräftig nach hinten drückt. Der Mutter fiel auf, dass der Kopf beim Liegen immer auf der gleichen Seite liegt und auch das Stillen ist häufig eine mächtige Prozedur. Das Baby hat Schwierigkeiten beim Saugen und braucht dementsprechend lange für eine Mahlzeit. Ein bunter Blumenstrauß an kleinen, ganz typischen Symptomen, um das Kind in der osteopathischen Sprechstunde vorzustellen.

Bei der sanften Bewegungsprüfung finden sich Dysfunktionen im Becken, der Lendenwirbelsäule, im Schultergürtel, der Halswirbelsäule und den Kopfgelenken. Tatsächlich lässt sich der Kopf zu einer Seite nicht endgradig bewegen und insgesamt liegt das Kind wie ein „C“ gebogen. Die Testung der Bauchlage bemeckert das Baby ordentlich.

Die Mutter erzählt, dass sie selbst während der Schwangerschaft Rückenschmerzen bekam, aus Zeitgründen jedoch keine Behandlung in Anspruch nehmen konnte. Die Geburt war langwierig und unter Einsatz einer PDA (Periduralanästhesie) kam das Kind zur Welt.

Es fließen ein paar Tränen und in erster Linie höre ich zu und würdige die Meisterleistung der Mutter. Denn sie ist es, an wem sich das Baby in den nächsten Monaten orientieren wird. Geht es der Mutter nicht gut, wird sich auch das Kind nur schwer von den Strapazen der Geburt erholen. 

Anhand der Erzählung erfahre ich, dass das Baby sehr lang im Geburtskanal geklemmt hat. Das ist in sich noch nicht pathologisch, dennoch wurde durch den hohen Druck das weiche, kindliche Gewebe fest komprimiert. Aus dieser Kompression gilt es nun, den Säugling zu befreien. Hierbei kann die Osteopathie eine wundervolle Unterstützung bieten.

Die Behandlung beginnt an den unverfänglichen Stellen. Den Füßen. Alle Gelenke werden sanft bewegt und auf Festigkeiten hin untersucht. Kleinste Seitenabweichungen werden durch Halten und sogenanntes Ausbalancieren des Gewebes direkt behandelt. Behutsam geht die Therapie dann weiter nach oben über die Knie, die Hüften, das Becken, den Bauch, Rippen, Brustkorb, die Wirbelsäule, Schultergürtel und schlussendlich die Kopfgelenke sowie den ganzen Kopf.

Besonders am kindlichen Gewebe lassen sich Blockaden sehr fein erspüren. Aus diesem Grund werden die Hände zumeist ganz behutsam aufgelegt. Das ist oft der Moment, wo kleine Kinderkulleraugen wissend und zustimmend schauen. Grad so als würden sie sagen: Danke für die sanfte Hilfe.

Weiche, langsame, rhythmische Bewegungen und gehaltene Positionen verhelfen dem kindlichen Gewebe zumeist recht schnell zur Entspannung. Vor allem die Stille ist es, welche Regulation und damit Heilung möglich macht. Die osteopathisch heilsame Stille bemerken Sie, wenn Sie selbst müde werden, für einen Moment keiner mehr spricht und auch Ihr Baby ganz ruhig liegt. Oft schlafen die Kleinen dann sogar ein.  ­
Osteopathisch betrachtet:
der Geburtsablauf
Wenn das Köpfchen zur Geburt unten liegt, winden sich zunächst 22 Schädelknochen während des von der Natur präzise geplanten Geburtsvorganges geschickt durch den Geburtskanal.

Die Schädelnähte, die Suturen, verbinden diese Knochen und machen ein Überlappen und damit ein Zusammenpressen des kleinen Schädels möglich. Ebenso die große und kleine Fontanelle, Öffnungen, welche nur beim Neugeborenen zu finden sind.

Leichte Verformungen des Schädels direkt nach der Geburt sind völlig normal und regulieren sich in der Regel innerhalb von ein paar Tagen von alleine. Auffälligkeiten darüber hinaus profitieren immer von osteopathischen Behandlungen.

Anschließend windet sich der Schultergürtel samt Schultern und Armen durch die Enge. Ein Körperbereich, in welchem wir bis ins hohe Erwachsenenalter häufig im Bindegewebe noch bestehende Verwringungen finden können. In der osteopathischen Betrachtung sind vor allem die Schlüsselbeine interessant. In ihrem horizontalen Verlauf dienen sie als wichtige Ankerstelle für Muskeln und Faszien. Durchtrittstellen von Nerven und Blutgefäßen sind entscheidend für die Funktion der Arme. Dynamisch über Bänder und kleine Gelenke, sind die Schlüsselbeine sowohl mit dem Brustbein als auch der Schulter verbunden. Schon allerkleinste Verschiebungen, Quetschungen, Risse, Brüche bringen das Gefüge aus dem Lot und lassen Symptome entstehen.
Beim Säugling sind das oft allgemeine Unruhe, das Kind hat eine bevorzugte Kopfhaltung, manchmal bewegt sich ein Ärmchen weniger, Stillschwierigkeiten und auch eine asymmetrische Haltung in Rücken- oder Bauchlage beobachten wir oft. Übrigens eine Region, welche auch bei größeren Kindern oder Erwachsenen vor allem nach Sturz auf die Hand oder Schulter Dysbalancen aufweist. Meist reichen schon wenige Sitzungen, um das Gleichgewicht im Schultergürtel wiederherzustellen.

Je nach Geburtsvorgang kommt es ebenfalls recht häufig zu Festigkeiten in der Wirbelsäule. Besonders, wenn die Geburt lange dauert oder der Säugling regelrecht steckenbleibt, fühlen sich die Wirbelsäulen der Babys oft fest, hart und unflexibel an, ohne das man eine konkrete Blockade nennen könnte. Vor allem lockernde, mobilisierende Bewegungen helfen dann Ihrem Kind. Eine Übungsanleitung für zu Hause geben die meisten Therapeuten mit.

An jedem einzelnen Tag gibt es Entwicklungsschritte beim Kind. Je eher Festigkeiten und andere Symptome behandelt werden, desto leichter hat es Ihr Kind. Zögern sie nicht und stellen sie Ihr Kind gern zur Kontrolle in einer osteopathischen Praxis vor. Eine Liste mit Therapeuten finden sie hier: www.hpo-osteopathie.de/therapeutenliste

Fragen & Antworten zur Osteopathie
 Frage: Tim W. aus Münster: "Wie wird man eigentlich Osteopath/in?"

Antwort: "Lieber Tim, den Osteopathen gibt es in Deutschland eigentlich nicht, genauso wie es keinen Homöopathen, Akupunkteur oder TCM-Therapeuten gibt, denn für all diese heilkundlichen Tätigkeiten gibt es kein eigenes Berufsgesetz. Wer also Osteopathie, Homöopathie, Akupunktur oder Traditionelle Chinesische Medizin praktizieren will, muss Arzt oder Heilpraktiker sein.

Auch die Weiterbildung in Osteopathie ist nicht einheitlich geregelt. Für Gesundheitsfachberufler und Heilpraktiker erfolgt sie berufsbegleitend und sollte mind. 1350 Unterrichtstunden umfassen, für Ärzte mindestens 700 Unterrichtsstunden. Abiturienten können Osteopathie in mindestens 8 Semestern in Vollzeit erlernen.

Die Weiterbildung erfolgt an privaten Osteopathieschulen oder privaten Hochschulen.
Inhalte sind vor allem Anatomie, Physiologie, Biomechanik, osteopathische Untersuchung des Körpers, verschiedene osteopathische Behandlungstechniken und Differentialdiagnostik. Osteopathische Untersuchungs- und Behandlungstechniken werden an Probanden erlernt.
   
Viele osteopathisch arbeitende Heilpraktiker und Ärzte bilden sich nach ihrer Weiterbildung fort, um ihre osteopathischen Fähigkeiten zu verfeinern. Einige Kollegen spezialisieren sich später auf Fachgebiete wie Kinderosteopathie oder eine bestimmte osteopathische Arbeitsmethode.
Fragen Sie einfach Ihren Behandler, welche Fortbildung er zuletzt besucht hat oder was sein Spezialgebiet ist."

Haben auch Sie Fragen zur Osteopathie? Dann schreiben Sie uns an: newsletter@hpo-osteopathie.de
Tipps & Infos
Tipps für einen guten Schlaf
Eine aktuelle Studie aus Schweden empfiehlt täglich sieben Stunden Schlaf. Wer das unter der Woche nicht schafft, sollte sein Schlafdefizit am Wochenende nachholen. Vorschlafen hilft laut Studie leider nicht.

Hier ein paar Tipps, wie Sie Ihren gesunden Schlaf unterstützen können.

1. Ihr Schlafzimmer darf ein Wohlfühlort sein. Ruhe, Ordnung und nächtliche Dunkelheit sind ideale Vorraussetzungen für guten Schlaf.

2. Alkohol und Nikotin bringen Schlafrhythmus und Schlafphasen durcheinander. Hier kann ein anderes Ritual, etwa eine Yogaübung oder eine kleine Meditation, helfen, den Tag besser ausklingen zu lassen und Einzuschlafen.

3. Jeder hat seinen eigenen Schlaf-Wach-Rhythmus. Es gibt Frühaufsteher, Langschläfer, Morgenmuffel und Menschen, die besonders wenig Schlaf brauchen. Frühaufsteher sollten zum Beispiel schwierige Aufgaben am Morgen erledigen, um sich abends nicht zu überfordern. Langschläfer sollten abends rechtzeitig ins Bett gehen, um ausgeschlafen in den nächsten Tag starten zu können.

4. Viel Bewegung am Tag sorgt dafür, dass wir abends angenehm müde werden. Findet die Bewegung draußen im Tageslicht statt, kann dies zusätzlich helfen, einen gesunden Tag-Nacht-Rhythmus zu stabilisieren.
App des Monats:
E-Nummern Finder
Diese pragmatisch gehaltene App vom Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) liefert in übersichtlicher Listenform  Informationen über sämtliche Nahrungsmittelzusatzstoffe.

Sowohl den Ursprung als auch die Verwendung kann man sich über einen Klick anzeigen lassen. Farbige Symbole signalisieren bereits in der Liste, wann besonders Kinder und Allergiker mit den Stoffen aufpassen sein sollten.

Eine tolle App, die das Bewusstsein für unsere Lebensmittel stärkt.
Danke für Ihr Interesse an OSTEOPATHIE. Unser nächste Newsletter erscheint in vier Wochen.
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