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Narben - unterschätzte Störfelder (OSTEOPATHIE 11-2018)



Stichworte: Wundheilung, Primär heilende Wunden, sekundär heilenden Wunden, atroph, hypertroph, berührungsempfindlich, taub, Narbenbildung, Störfeld, Bluterguss, Gewebeverletzung, Fehlhaltun, Schonhaltung, Laparoskopie, minimalinvasiver Eingriff, fasziale Entspannung, Unwinding, Querdehnung, Tätowierung, Zahnimplantat, Haarimplantat, Haut, Oberhaut, Hornschicht, Lederhaut, Rezeptoren, Unterhaut, Vater-Pacini-Körperchen, Wundheilungsstörung, Wulstbildung, Salbeitee, Vimage

Narben – die meisten Menschen haben sie. So individuell wie die Menschen, so individuell sind Narben mit ihren Ursachen und ihrem Erscheinungsbild. Sie können oberflächlich oder tiefgehend sein, große Areale betreffen oder nur sehr klein sein.
 
Narben entstehen als Reaktion auf Gewebeverletzungen. Sie sind sicht- und fühlbarer Ausdruck dafür, dass der Körper sich selbst heilen kann. Dieser Heilungsprozess (Wundheilung) läuft in unterschiedlichen, sich teilweise überlappenden Phasen ab. Unterschieden wird dabei zwischen einer primären und sekundären Wundheilung. Primär heilende Wunden haben bündig schließende Ränder und hinterlassen nur dünne Narben. Bei sekundär heilenden Wunden liegt ein Gewebedefekt vor, die Wunde heilt verzögert, wodurch größere Narben entstehen, die atroph (eingesunken) oder hypertroph (erhaben, verdickt) sein können.
Narben sind gekennzeichnet durch helleres oder bei vorzeitiger Sonnenexposition dunkleres Gewebe, sie haben keine Schweiß- oder Talgdrüsen und keine Haarfollikel. Ihr Gewebe ist in der Regel weniger elastisch als das ursprüngliche Gewebe, was die ursprüngliche Funktionalität des betroffenen Bereichs einschränken kann. Narbengewebe kann zudem wetterfühlig reagieren, druck- oder berührungsempfindlich oder taub sein.
 
Von Narbenbildung kann jede Struktur unseres Körpers betroffen sein, also auch Bindegewebe, Faszien, Bänder, Sehnen, Muskeln, Knorpel und Knochen. Je nach Ursache, Position und Heilfähigkeit des Gewebes können Narben größere oder kleinere Störfelder im Körpergefüge- und Zusammenspiel darstellen. So können beispielweise Traumata wie Blutergüsse und tiefere Gewebeverletzungen, etwa durch Stürze oder Schläge, Verletzungen der Knochen-, Gelenks- oder Bandstrukturen im Bereich der Extremitäten oder des Beckens vernarben und zu Fehl- oder Schonhaltungen führen.
 
Oft werden Narben aber nicht als Ursache von Schmerzsymptomen, Bewegungseinschränkungen oder Unwohlsein wahrgenommen. Die Verletzungen der Faszien und bindegewebigen Strukturen im Bauchraum, etwa aufgrund von Operationen, oder in Gelenksbereichen, manchmal ausgelöst durch Laparoskopien oder minimalinvasive Eingriffe, haben oft weitreichendere Folgen als gemeinhin angenommen wird.
 
Osteopathisch arbeitende Heilpraktiker und Ärzte stellen oft erst bei einer genaueren Untersuchung fest, dass eine Narbenbeteiligung vorliegt. In solchen Fällen wird der Therapeut versuchen, die Narbe zu entspannen und ihren störenden Einfluss auf den Organismus zu minimieren.
 
In der Osteopathie gibt es eine große Bandbreite an Behandlungs- und Entstörungsmöglichkeiten. Zum Beispiel
  • die faszielle Entspannung, bei welcher der Therapeut die einzelnen Schichten der Faszien löst, entspannt und funktionsfähig macht 
  • oder das sogenannte Unwinding, in dem alle von der Vernarbung betroffenen Bereiche von Spannungen befreit werden. 
  • Ein weiteres Beispiel ist die Querdehnung, bei der durch eine quer zum Narbenverlauf ausgeführte Dehnung eine Entspannung der von  der Vernarbung beeinträchtigten Gewebe erreicht wird.
Zu den Narben zählen übrigens auch Tätowierungen, Zahn- und Haarimplantate sowie Dehnungsstreifen nach Schwangerschaft und Gewichtsabnahme.
 
Am deutlichsten sind Narben auf der Haut sicht- und fühlbar. Deshalb ein kurzer Ausflug in die...
Anatomie der Haut

Unsere Haut ist mit ca. 1,8 Quadratmetern beim erwachsenen Menschen das größte Organ. Sie schützt unseren Körper vor Umwelteinflüssen, beherbergt wichtige Bereiche unseres Immunsystems, ermöglicht den Stoffaustausch, reguliert unseren Wärmehaushalt und trägt zur Homöostase, also dem physiologischen Gleichgewicht in unserem Inneren bei.

Die Haut ist wie folgt aufgebaut:
 
Oberhaut (Epidermis): Die sechsschichtige Oberhaut besteht
vorwiegend aus abgestorbenen und verhornten Zellen und ist stellenweise nur 0,03 Millimeter dick. Ihre oberste Lage, die Hornschicht, erneuert sich ca. alle vier Wochen. In der Oberhaut finden sich die pigmentbildenden Melanozyten, die den Farbstoff Melanin bilden und die tieferen Hautschichten vor Sonneneinstrahlung schützen.

Lederhaut (Dermis oder Corium): Die zweischichtige Lederhaut besteht aus Bindegewebefasern, die für Stabilität und Elastizität sorgen. In der Lederhaut sind Blut- und Lymphgefäße eingebettet ebenso wie Rezeptoren für Wärme, Kälte, Berührung, Dehnung und Schmerzen sowie die Hautanhangsgebilde wie Haarfollikel, Nägel, Talg- und Schweißdrüsen.

Unterhaut (Subcutis): Sie besteht aus geschlossenen Bindegewebszellen, die mehr oder weniger mit Fett gefüllt sind. Sie ermöglicht die Verschiebbarkeit der Haut und bietet dem Körper einen gewissen Schutz vor Kälte. In der Unterhaut befinden sich auch die sogenannten Vater-Pacini-Körperchen. Sie sind Rezeptoren welche die Stellung der einzelnen Körperteile an das Gehirn vermitteln.

Welche Möglichkeiten gibt es, eine gute Vernarbung zu fördern?

Zuerst ist das Reinigen und fachgerechte Verbinden der Verletzung notwendig. Sobald die Wunde geschlossen und von Schorf bedeckt ist, kann eine Narbensalbe angewendet werden. Bei Wunden, die genäht oder anderweitig medizinisch geschlossen wurden, wird empfohlen, Narbensalben nach der Entfernung der Fäden, Klammern oder Steristrips einzusetzen. Die Salben sorgen dafür, dass das Narbengewebe mit heilungsfördernden Stoffen versorgt und nicht trocken und rissig wird. Bei Wundheilungsstörungen oder übermäßiger Wulstbildung sollte ein Arzt aufgesucht werden.
 
Tiefergehende oder große Narben sollten möglichst immer entstört und ihre Auswirkung auf den gesamten Körper untersucht werden. Auch weil Narben dazu neigen, über die Jahre immer wieder Störungen zu verursachen. Hier finden Sie eine Liste von gut ausgebildeten Heilpraktikern und Ärzten, die osteopathisch arbeiten: www.hpo-osteopathie.de/therapeutenliste
Fragen & Antworten zur Osteopathie

Frage: Anna K. aus Aachen fragt: "Warum liegen die Termine bei Osteopathen teilweise 2-4 Wochen auseinander und sind nicht, wie zum Beispiel in der Physiotherapie, 1-2 mal die Woche?"

Antwort: "Liebe Anna, diese Frage wird uns oft gestellt.
Das eigentliche Ziel unser Behandlung besteht darin, die Selbstregulierung des Körpers zu fördern, damit er, vereinfacht gesagt, wieder möglichst beschwerdefrei funktionieren kann.

Dafür bedarf es aber manchmal mehr oder minder Zeit. Denn diese braucht der Körper, um die mit der Behandlung einhergehenden Änderungen anzunehmen und einzuarbeiten. Aus diesem Grund sind Termine oft weiter auseinander, denn nur dann können wir sehen, ob der Körper sich nach der Intervention durch uns wieder alleine helfen kann oder nochmals unsere Unterstützung braucht und wenn ja wo.

Anders ist es bei akuten Geschehnissen oder Unfällen, die ggf. vorher medizinisch abgeklärt gehören. Hier können schon mal 1-3 Behandlungen sehr zeitnah aufeinander folgen. Dann geht es mehr um Akuthilfe, damit die betroffene Struktur schnell und effizient wieder zu ihrer eigenen Selbstregulierung findet."


Haben auch Sie Fragen zur Osteopathie? Dann schreiben Sie uns an: newsletter@hpo-osteopathie.de
Tipps & Infos
Salbeitee bei Erkältungen

Ob Gourmetküche oder natürliches Desinfektionsmittel, Salbei ist vielen als Gewürz- und auch als Hausmittel bekannt.

In der jetzigen Herbstzeit empfehlen wir Salbeitee bei und auch vorbeugend gegen Erkältungen. Die Kombination von Gerbstoffen, Bitterstoffen und ätherischen Ölen wirkt im Körper entzündungshemmend.

Für eine Tasse Tee genügt 1 Teelöffel getrockneter Salbei, übergossen mit kochendem Wasser.
App des Monats:
Vimage

Mal eine App just for fun: Vimage ist witzig, verblüfft und sorgt bei Fotos für den Wow-Effekt:
Denn in die App geladen, können Sie Ihre Bilder mit einem von zahlreichen dynamischen Effekte versehen und sie damit in kurze Videos verwandeln.

Hauchen Sie Ihren Fotos Leben ein. Dann dampfen plötzlich täuschend echt die Turnschuhe, fliegt eine Sternschnuppe über den Himmel, schlägt ein Blitz ein oder bewegen sich Wellen auf einem See.

Ob fallende Schneeflocken, flatternde Schmetterlinge oder fliegende Seifenblasen, Sie können jedes Ihrer Fotos mit einer Vielzahl an Effekten animieren.

Die kurzen Clips können Sie dann ganz einfach in den sozialen Netzwerken mit Freunden teilen.
Manchmal soll eine App einfach nur Spaß machen!
Danke für Ihr Interesse an OSTEOPATHIE. Unser nächste Newsletter erscheint in vier Wochen.
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